Wenn zwei der größten deutschen Banken fusionieren, sollte dies eigentlich das Top-Thema in den deutschen Nachrichtenredaktionen sein. Schließlich handelt es sich bei der Verschmelzung von Commerzbank und Dresdner Bank um eine ökonomische Transaktion mit weit reichenden Folgen, die nicht nur den ersten Schritt in eine Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft darstellt, sondern auch für viele Menschen hierzulande spürbare Veränderungen mit sich bringen wird. Dazu zählen natürlich zuallererst die tausenden von Mitarbeitern, die sich im Zuge der Nutzung von Synergieeffekten und sonstigen Arbeitsplatz-Anzahl-mindernden Maßnahmen beruflich neu orientieren müssen. Nicht zu vergessen sind die Millionen Kunden der beiden Banken, die sich zukünftig eine neue Filiale suchen dürfen, da ihre alte Stamm-Filiale dicht macht.
Was aber findet sich in den Schlagzeilen von Spiegel Online, Süddeutsche & Co. als Top-Meldung des Tages? Nein, nicht die Banken-Story, die rangiert nämlich nur unter ferner liefen. Stattdessen scheint es überaus wichtig zu sein, dass in Amerika Wahlkampf ist, wer dort mit wem die Hände schüttelt und wieviele Versprecher sich die Kandidaten leisten. Ist es wirklich von so bahnbrechender Bedeutung, dass Obama vor seinen blökenden Demokraten-Schafen Reden schwingt oder dass im Republikaner-Lager ein bis dato unbekanntes Gesicht der Öffentlichkeit vorgestellt wird? Klar, hier gehts um die Wahl für das wohl einflussreichste Amt der Welt, aber dieses sich noch bis Anfang November hinziehende Geplänkel ist doch wohl so interessant wie Meldungen über umfallende Reissäcke in China.
Mir hängt das Thema bereits heute zum Hals raus und die nächsten beiden News-Monate werden wohl ein absolutes Graus sein, egal ob in der Zeitung oder im Fernsehen. Bis zum bedarfsgerechten digitalen Nachrichten mit entsprechenden Wortfiltern wird es schließlich noch eine Weile dauern.

